Ein Artikel aus dem Nürnberger Stadtanzeiger (NN & NZ) vom 10.04.2017

Die VfL-Volleyballerinnen verabschieden sich in die Ferien, vielleicht sogar für immer

VON SEBASTIAN GLOSER

170410 HolnsteinFlessa NSA 300Zum Abschluss schenken die Volleyballerinnen des VfL Nürnberg ihren Fans ein 3:1 (26:24, 25:22, 22:25, 25:16) gegen Planegg-Krailling, ob sie sich Ende April für eine weitere Spielzeit in der dritten Liga bewerben, ist aber mehr als unsicher.

Am Ende kommt dann doch noch etwas Wehmut auf, zumindest beim Trainer. Schade sei das, sagt Jorge Rodriguez, dass er ausgerechnet jetzt Nürnberg verlassen muss, wo sich die Stadt von ihrer schönsten Seite präsentiert. „Sobald die Sonne herauskommt, rennen alle in den Park“, hat er festgestellt, in seiner Heimat, sagt der Spanier, sei Sonne allein ja noch kein Grund, so überschwänglich zu werden.

Den Nürnberger Frühling wird Rodriguez verpassen, den Sommer auch. Mit dem VfL Nürnberg hat das allerdings zunächst einmal wenig zu tun, der Verein hat ihn herzlich dazu eingeladen, auch im kommenden Herbst wieder seine besten Volleyballerinnen zu betreuen, die Frage ist nur, ob der VfL dann überhaupt noch eine Mannschaft hat. Im Sommer betreut Rodriguez die spanische Herren-Auswahl bei der Europameisterschaft in Polen als Co-Trainer, erst danach entscheidet sich, ob er zusätzlich auch wieder eine Vereinsmannschaft betreuen wird. „Es wäre eine Ehre“, sagt er. „Ich hoffe, dass es hier im September weitergeht.“ Sich für die Volleyball-Abteilung des VfL zu engagieren, haben in letzter Zeit nicht mehr allzu viele Menschen als Ehre begriffen.

Wer am Samstag in der Ballspielhalle Altenfurt ergründen will, wie es um die Zukunft von Nürnbergs besten Volleyballerinnen bestellt ist, registriert vor allem Auflösungserscheinungen. Einen Nachfolger für den zurückgetretenen Abteilungsleiter Ralf Ackmann haben sie bis heute nicht gefunden, Markus Reichler, sein Stellvertreter, muss beim abschließenden 3:1 gegen den TV Planegg-Krailling sogar den Hallensprecher geben, vor allem aber machen sich die Auflösungserscheinungen beim Personal auf dem Feld bemerkbar.

Gerade einmal neun Spielerinnen haben sich beim letzten Spiel der Saison eingefunden, um danach bei Freibier und griechischem Buffet den Beginn der Volleyball-Sommerferien zu feiern. Wobei – so muss man Außenangreiferin Shari Meier verstehen – neun Spielerinnen in Anbetracht der vergangenen Monate ja fast schon Luxus sind. „Oft“, sagt Meier, „waren wir ja noch weniger.“

Etwas Selbstkritik

Dass es eine schwierige Spielzeit werden könnte, hatten sie schon geahnt. In der Vorsaison war der VfL souveräner Drittliga-Meister geworden – und sie verzichteten trotzdem auf den Sprung in die zweite Liga, weil abzusehen war, dass ihnen nicht genügend erfahrene Spielerinnen zur Verfügung stehen würden.

Eine Situation, die sich in der neuen Saison nicht verbesserte, im Gegenteil. „Es ist normal, dass sich mal zwei oder drei Spielerinnen verletzen“, sagt der Trainer rückblickend, „aber wenn der Kader ohnehin schon so klein ist, hast du ein Problem.“ Oder wie es Meier ausdrückt: „Wir hatten viel zu organisieren.“ Immer wieder halfen ihnen Volleyballerinnen aus, die sich im Winter eigentlich um ganz andere Dinge kümmern wollten. Studium, Beruf, Familie – Lisa Weiß zum Beispiel hatte drei Jahre lang gar nicht mehr gespielt, ursprünglich wollte sie lediglich an einem Abend in der Hinrunde aushelfen, am Ende stand sie auch gegen Planegg- Krailling noch auf dem Feld. „Sie hat uns sehr geholfen“, lobt Rodriguez, auch wenn es nach neun Siegen und neun Niederlagen trotzdem nur zu Platz sieben reichte. „Wir hätten eigentlich wenigstens Vierter werden müssen“, findet Rodriguez und will das als Selbstkritik am Trainer verstanden wissen.

Kooperation mit Schwaig?

Auf das mittelmäßige Abschneiden ist es allerdings nicht zurückzuführen, dass Reichler wenig optimistisch in die Zukunft blickt. Mit Shari Meier, Corey Block und Katja Holstein werden im Sommer wohl mindestens drei weitere Spielerinnen den Verein verlassen, am Dienstag soll eine Teamsitzung klären, ob es überhaupt noch Sinn macht, kommende Saison wieder in der dritten Liga anzutreten.

Über einen Zusammenschluss mit den Volleyballerinnen aus Schwaig haben sie schon nachgedacht, „aber auch diese schöne Seifenblase ist zerplatzt“, sagt Reichler – es fehlen die nötigen Hallenzeiten. Und so könnte der Volleyball-Leistungssport beim VfL Nürnberg vor dem Aus stehen. Sollte es tatsächlich so kommen, dürfte nicht nur bei Jorge Rodriguez Wehmut aufkommen.