Ein Artikel aus der Nürnberger Zeotung vom 10.04.2017

Nürnbergs Volleyballteam laufen die Spielerinnen davon

Von Mathias Hochreuther

170410 Flessa NZ 150Mit einem 3:1-Heimsieg über den TV Planegg-Krailling und auf Rang sieben haben die Volleyballerinnen des VfL Nürnberg die Saison in der 3.Liga Ost am Samstag beendet. Doch der sportliche Erfolg war nach dem Spiel Nebensache. Es wird wohl der letzte Auftritt der VfL-Mädels in der Drittklassigkeit gewesen sein.

NÜRNBERG — Die Spendenboxen waren gut sichtbar aufgestellt. Der VfL Nürnberg sammelt derzeit Geld für den Ende des Jahres beginnenden Neubau der Geschäftsstelle am Sportgelände an der Salzbrunnerstraße, voraussichtlich 85000 Euro betragen die Baukosten. Einer Baustelle gleicht derzeit auch die Volleyball-Abteilung, zumindest die erste Frauen-Mannschaft. Die hat die Drittliga-Saison am Samstagabend mit einem 3:1 (26:24, 25:22, 22:25, 26:16)-Erfolg über den TV Planegg-Krailling abgeschlossen. Rund 100 Zuschauer sahen eine unterhaltsame Partie zwischen zwei in der Tabelle jenseits von Gut und Böse stehenden Mannschaften und waren anschließend noch zu Freibier und einem griechischen Buffet in der Aula der Ballspielhalle Altenfurt eingeladen.

Doch der friedliche Schein trog. Denn es wird wohl das letzte Spiel der VfL-Mädels in der 3.Liga gewesen sein, ein freiwilliger Rückzug aus dieser Spielkasse ist das wahrscheinlichste Szenario. Die Ursachen, warum der Drittliga-Meister der Saison 2015/16 inzwischen so tief gefallen ist, sind vielschichtig. Schon im September war klar, dass die Spielzeit 2016/17 eine komplizierte Angelegenheit werden würde. „Wir müssen uns irgendwie durchboxen“, sagte VfL-Spielführerin Katja Holstein nach der 0:3-Auftaktniederlage gegen die DJK Augsburg-Hochzoll. Trotz der in der Vorsaison errungenen Meisterschaft plagten die Nürnbergerinnen nach Abgängen einiger Leistungsträgerinnen – aus verschiedenen Gründen – Personalsorgen. Zudem stand der neue Trainer, Jorge Rodriguez, wegen seiner Tätigkeit als Co-Trainer der spanischen Männer-Nationalmannschaft in der Vorbereitung und zu Saisonbeginn nicht zur Verfügung. Da war schnell klar, dass der freiwillige Verzicht auf die Rückkehr in die 2.Liga trotz der sportlichen Qualifikation die richtige Entscheidung war.

Doch obwohl die am Samstag zu Ende gegangene Spielzeit mit Höhen und Tiefen versehen war, letztlich liefen die Vf LMädels auf einem ob der vielen personellen Probleme nicht schlechten siebten Rang ein. Allerdings, die Komplikationen haben Spuren hinterlassen, erneut wurden nach dem Sieg über Planegg Spielerinnen verabschiedet. Corey Block geht zurück in die USA, Shari Meier wird sich Drittliga-Aufsteiger TSV Ansbach anschließen – und mit Katja Holstein will auch die Spielführerin von Bord gehen. „Das Umfeld passt vielen nicht“, sagt der stellvertretende Abteilungsleiter Markus Reichler. Was er damit meint, ist ein Problem, das so viele Vereine plagt: Es fehlen die helfenden Hände. So blieb vieles an den Spielerinnen hängen. „Werbebanden aufbauen, Brötchen schmieren, die ganze Spieltagsorganisation“, zählt Reichler auf, „und das hat sich dann irgendwann verselbstständigt.“ Morgen Abend wird es ein Treffen zwischen Vereinsverantwortlichen und der Mannschaft geben, „dann schauen wir, was die Spielerinnen wollen und was wir machen“, sagt Reichler – und will öffentlich nicht weiter ins Detail gehen.

Grundsätzlich gibt es mehrere Optionen. Der VfL könnte das Spielrecht der 3.Liga an einen anderen Verein übertragen, und die Spielerinnen könnten dorthinwechseln. Doch müsste Verein X erst einmal einen passenden Rahmen für die 3.Liga bieten und Hallenzeiten zur Verfügung haben. Der VfL könnte auch in einer niedrigeren Spielklasse weiter aufschlagen, bräuchte dazu aber auch eine Mannschaft. Die zweite Garde hochzuziehen, ist für Reichler keine Variante. „Mit der Zweiten sind wir aus der Landes- in die Bezirksliga abgestiegen, wenn wir so in der 3.Liga antreten, machen wir uns lächerlich.“ Auch aus der Jugend ist keine Verstärkung zu erwarten, der nötige Unterbau fehlt beim VfL-Volleyball schlichtweg.

Offiziell bis Ende Juni, intern bis Ende April soll nun Klarheit über die Zukunft des Volleyballs beim VfL im Leistungsbereich herrschen. Dass es weiterhin eine Drittliga-Mannschaft geben wird, hält Markus Reichler für „unwahrscheinlich“. Es sieht so aus, als sollte der VfL diese Baustelle nicht zu Ende bringen.