Ein Artikel aus der Nürnberger Zeitung vom 16.01.2017

Altdorf siegt im fränkischen Volleyball-Gipfel 3:2

Von Philipp Roser

170117 Block Wallner NZ 2003:2 hatten die Volleyballerinnen des VfL Nürnberg in der Hinrunde beim TV Altdorf gewonnen. Gestern revanchierte sich der Tabellenzweite mit dem gleichen Ergebnis in einem bis zum Ende höchst spannenden fränkischen Derby in der dritten Liga.

NÜRNBERG — Die Szene zu Beginn des entscheidenden fünften Satzes war irgendwie typisch für die ganze Saison des Vf L: Statt das Zuspiel über das Netz zu hämmern, ging Sabine Stadler erst in die Knie und blieb dann mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen. Minutenlang wurde sie auf dem Feld, dann daneben behandelt. „Ich fürchte, es ist etwas Schlimmeres, wahrscheinlich die Achillessehne – sie wird uns wohl den Rest der Saison fehlen“, konstatierte Nürnbergs Trainer Jorge Rodriguez bitter.

 Ob es der Schock über Stadlers Pech war oder schwache Nerven, darüber kann man nur spekulieren. Jedenfalls gaben die Nürnbergerinnen den entscheidenden fünften Satz und damit das gesamte Match mit sieben eigenen Fehlern vor allem bei Angaben ins Aus oder Netz aus der Hand (18:25, 14:25, 28:26, 26:24, 12:15). Dabei hatte es nach den ersten beiden Durchgängen gar nicht nach einen Entscheidungssatz ausgesehen. „Die Vf L-Spielerinnen sind mit unseren Aufschlägen nicht klargekommen und hatten große Probleme mit der Annahme“, resümierte ein sichtlich erleichterter TV-Coach Anto Juric nach der Begegnung.

Sein Vf L-Kollege konnte für die Probleme seines Teams zu Beginn neben den bekannten Personalproblemen einen weiteren guten Grund anführen: Die reguläre Zuspielerin Svenja Semm fehlte, da sie als Lehrerin mit ihrer Schulklasse im Skilager weilt. „Wir haben zwar einmal mit ihrer Vertreterin Maxine Wallner aus der zweiten Mannschaft trainieren können, aber die Unsicherheit war am Anfang deutlich zu spüren“, erklärte Rodriguez.

Jede Woche muss der Spanier personell umdisponieren. Automatismen sind da kaum einzustudieren, ein Team kann sich weder entwickeln noch stabilisieren. Und auf dem Feld dann doch Charakter beweisen. Wie der VfL Nürnberg gegen Altdorf: Deutlich waren die ersten beide Sätze verlorengegangen, doch dann schien das Team von Rodriguez irgendwie den richtigen Hebel gefunden und umgelegt zu haben: Mit einer beachtlichen spielerischen, vor allem aber kämpferischen Steigerung drehte es die Partie – um dann am Ende doch den Kürzeren zu ziehen.

„In dieser Liga kann unterhalb von Spitzenreiter Augsburg jeder jeden schlagen – deswegen kann es beim Rest der Saison nur darum gehen, durchzukommen und drin zu bleiben“, hatte Interimsabteilungsleiter Markus Reichler der NZ gesagt. Nach den Turbulenzen, die im Rücktritt von Volleyballchef Ralf Ackmann gipfelten, ist laut Reichler wieder Ruhe eingekehrt, die Abteilungsleitung soll in absehbarer Zeit neu besetzt werden.

Fünf Auswärtsspiele in Folge muss der VfL in den nächsten Wochen bestreiten, ehe zum Saisonabschluss am 8. April der TV Planegg-Krailling in die Noris kommt. Bis dahin werden auch die Personalplanungen angelaufen sein. „Ende Februar, Anfang Dezember werden wir uns zusammensetzen“, sagte Coach Rodriguez und ließ durchblicken, durchaus Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit zu haben. Zumal er mit seiner Partnerin in Nürnberg bleiben werde. Reichler wiederum attestierte dem Spanier akribisches Arbeiten inklusive aufwändiger Videoanalysen – und es klang nicht so, dass ihm ein absehbares Ende des gemeinsamen Wirkens vorschwebt. Klar sagte er hingegen, dass es ohne Verstärkungen von außen angesichts durchaus vorhandener Ambitionen beim Ex-Zweitligisten nicht gehe.