Ein Artikel aus dem Nürnberger Stadtanzeiger (NN & NZ) vom 14.12.2016

Auf die Volleyballerinnen des VfL Nürnberg kommen schwierige Zeiten zu

VON SEBASTIAN GLOSER

161214 Holstein NSA 300Durch ein 3:1 gegen den TSV Friedberg gestalten die VfL-Volleyballerinnen ihren Jahresabschluss sehr versöhnlich, wenn aber auch das kommende Jahr ein Erfolg werden soll, braucht die Abteilung dringend frische Kräfte.

Es gab Zeiten, da haben sie beim VfL Nürnberg länger gebraucht, um die Ballspielhalle Altenfurt für ein Volleyballspiel zu präparieren als sie am Ende auf dem Feld standen. Die vergangene Saison war so eine Zeit. Eine Mannschaft wie die des TSV Friedberg hätten sie vor einem Jahr wahrscheinlich in einer Dreiviertelstunde abgefertigt, an diesem Wochenende braucht der amtierende Meister der dritten Liga Ost beinahe eine Dreiviertelstunde, um den ersten Satz für sich zu entscheiden.

„Aktuell läuft es nicht mehr von alleine“, stellt Katja Holstein fest, nachdem sie und ihre Kolleginnen das letzte Heimspiel des Jahres dann doch noch positiv gestaltet haben.

Gratis Glühwein haben sie ihren Fans vor der Partie versprochen, trotzdem haben sich nur wenige Zuschauer in die Ballspielhalle verlaufen. Im ersten Satz machen die VfL-Volleyballerinnen dann den Eindruck, als hätten sie sich deshalb selbst um die Glühwein- Vorräte bemüht; reichlich konfus gestaltet sich ihr Vortrag, von sauberen Annahmen und einem strukturierten Angriffsspiel ist wenig zu sehen, konsequenterweise liegen sie bald mit 8:18 zurück.

Später wird Holstein den „krassen Spielermangel“ dafür verantwortlich machen und dass sie kurzfristig mal wieder umstellen und sich dann erst finden mussten. „Wir versuchen einfach, das Beste aus unserer Situation zu machen“, sagt sie, die mit ihren wuchtigen Angriffsschlägen dafür sorgt, dass sie sogar im ersten Satz noch das Beste draus machen und ein tolles Comeback hinlegen (27:25). Im zweiten finden sie deutlich schneller zu ihrem Rhythmus (25:19) und im dritten sieht es zunächst so aus, als würden sie den Abend doch relativ früh beenden. Dann verlieren sie plötzlich wieder ihre Linie und bald auch den Satz (23:25), im vierten haben sie das bessere Ende wieder für sich (25:23).

Der zumindest phasenweise konfuse Auftritt passt natürlich gut zu einer Saison, bei der nach dem großen personellen Umbruch im Sommer schon vorher abzusehen war, dass sie eine schwierige werden könnte.

Karrierepause, Beruf, Schwangerschaft – Gründe, warum ihnen gleich fünf Spielerinnen abhanden gekommen sind, gibt es genügend, Ersatz dagegen nicht. Nach fünf Siegen und fünf Niederlagen steht die dominante Kraft der vergangenen Saison nur im Mittelfeld.

Kritik an der Kritik

Vor allem passt der Auftritt aber zu dem Eindruck, den der VfL in den vergangenen Wochen hinterlassen hat. Mitte November kündigte Abteilungsleiter Ralf Ackmann gegenüber dieser Zeitung seinen Rückzug an und kritisierte den Verein dafür, die Volleyballerinnen nicht genügend zu unterstützten, weshalb auch der Aufstieg in die zweite Liga nicht zu realisieren gewesen sei; „andere Prioritäten“ setze der VfL, sagte Ackmann, und nannte als Beispiel den Bau einer neuen Geschäftsstelle.

Dass sich der scheidende Abteilungsleiter in der Adventszeit vielleicht auch an einem Glühwein-Vorrat bedient hat, würde Jürgen Bodach so natürlich nie sagen, aber gewundert hat sich der stellvertretende Vorsitzende des VfL und Hallensprecher bei den Volleyballerinnen über die Aussagen schon. „Es wird kein einziger Euro von den Volleyballern in den Neubau gesteckt“, betont er und erinnert daran, dass die Abteilung in den vergangenen 15 Jahren immer im gleichen Maße vom Verein finanziell unterstützt worden ist. Um den höheren Etat im Falle eines Aufstiegs, sagt Bodach, müsste sich die Abteilung aber natürlich selbst kümmern, was ihnen im vergangenen Sommer ja sogar sehr gut gelungen ist.

Am Geld scheiterte der Aufstieg nicht, es fehlte ihnen einfach das Personal und zum entscheidenden Zeitpunkt auch ein Trainer. Mit Jorge Rodriguez haben sie inzwischen einen sehr guten gefunden, ob sie im kommenden Jahr aber noch genügend Spielerinnen haben, ist ungewiss. „Jetzt müssen wir erst einmal die Winterpause überstehen“, sagt Katja Holstein und hofft, dass sich beim Skifahren niemand verletzt.