Ein Artikel aus "Mehr Nürnberg" (NN & NZ) vom 02.03.2016

Lena Chan ist bei den erfolgreichen Volleyballerinnen des VfL Nürnberg in mehreren Rollen unentbehrlich

VON SEBASTIAN GLOSER
hammelburg MN 020316 300Meister sind sie bereits, die ausste­henden Herausforderungen nehmen die Drittliga-Volleyballerinnen des VfL Nürnberg trotzdem seriös an. Ge­gen Hammelburg gab es am Wochen­ende ein klares 3:0, selbst Trainerin Lena Chan half diesmal auf dem Feld mit.
Es ist ja nicht so, dass Lena Chan keine Lust mehr hat, Volleyball zu spielen. Vor der Saison ist die Ameri­kanerin vom Spielfeld an die Seitenli­nie gewechselt, weil dem VfL plötz­lich der Trainer abhanden gekom­men war.

Michael Raddatz wechselte nach Schwaig und schaut in dieser Saison in der Ballspielhalle Alten­furt höchstens noch von der Tribüne zu, also ließ sich Chan überreden, das zu sein, was sie in ihrer Heimat ohnehin immer wieder ist: eine Vol­leyball­Trainerin. Dass sie auch immer noch gerne eine Volleyball-Spielerin ist, durfte man erst am vergangenen Freitag im Nürnberger Rathaus wieder erfah­ren. Mit der Ü30 des VfL Nürnberg wurde sie deutsche Meisterin und deshalb von der Stadt geehrt, einen Tag später musste sie sogar bei der U30 des Vereins aushelfen.
Im Saisonfinale geht dem VfL gera­de ein wenig das Personal aus, also zog sich Lena Chan zum ersten Mal in dieser Spielzeit das Trikot über und überließ das Coaching ihrem Mann, der ohnehin ein regelmäßiger Gast auf der Auswechselbank der Drittliga-Volleyballerinnen ist. Bei­de Aufgaben kann und will seine Frau nicht übernehmen, das hatte sie bereits zu Saisonbeginn betont. „Es gibt ein Trainer-Gehirn und ein Spie­ler- Gehirn", sagte Lena Chan nach dem ersten Heimspiel – beide gleich­zeitig zu nutzen, geht nicht lange gut, ist sie überzeugt. Wer mitten im Geschehen ist, dem fehlt schnell mal die Übersicht, am Samstag konzen­trierte sie sich deshalb als Libera auf ihre Aufgaben in der Abwehr.
Auch ohne Lena Chan an der Sei­tenlinie oder vielmehr mit Lena Chan auf dem Feld funktioniert der VfL sehr gut, gegen den Tabellenletz­ten TV/DJK Hammelburg hatten sie lediglich im ersten Satz (26:24) noch mit ein paar Abstimmungsproble­men zu kämpfen, danach ging ihnen das Spiel recht leicht von der Hand. Die Sätze zwei (25:15) und drei (25:20) konnten sie ohne allzu große Schwierigkeiten gewinnen, auch ei­ne Grippewelle und die Verletzung der Stamm-Libera Stephanie Müller hat Nürnbergs beste Volleyballerin­nen nicht aufhalten können.
Bereits seit Mitte Februar haben sie die Meisterschaft sicher, die ver­bleibenden Herausforderungen wol­len sie aber offenbar auch sehr seriös angehen. Eine einzige Partie haben sie in dieser Saison verloren und das soll auch so bleiben, wenn sie sich im letzten Heimspiel (13. März) mit dem Tabellenzweiten Eiselfing und im letzten Saisonspiel (19. März) mit dem Tabellendritten Augsburg-Hoch­zoll messen. Ob sie sich anschließend wieder Zweitligist nennen dürfen, steht dagegen immer noch nicht fest, beim VfL sind sie weiter auf der Su­che nach neuem Personal, Lena Chan will auch in Zukunft nur eines ihrer Gehirne benutzen müssen.