Ein Beitrag aus "Mehr Nürnberg" (NN & NZ) vom 15.02.2016

Mit dem zwölften Saisonsieg sichern sich die Volleyballerinnen des VfL die Meisterschaft, ob sie aufsteigen, ist aber weiter unklar

VON SEBASTIAN GLOSER
Weil die Konkurrenz patzt, ist den Vol­leyballerinnen des VfL Nürnberg nach dem 3:0 gegen Planegg der Meisterti­tel in der dritten Liga nicht mehr zu nehmen, der Aufstieg dagegen schon.

Planegg MN 150216 30071 Minuten waren gerade einmal vergangen, als Hallensprecher Jürgen Bodach das Publikum ein letztes Mal an diesem Samstagabend animierte. „Punkten!“, riefen die Zuschauer also auf der Tribüne der Ballspielhalle Altenfurt, dann schmetterte Sabine Stadler den Ball noch einmal über das Netz und die Partie war entschieden.

Auch dem TV Planegg-Krailling lie­ßen die Volleyballerinnen des VfL Nürnberg keine Chance, glatt in drei Sätzen (25:9, 25:18, 25:20) wurde der Münchner Vorortverein nach Hause geschickt, es war der zwölfte Sieg im 13. Saisonspiel. Über die Meister­schaft freute sich hinterher niemand, was ganz einfach darauf zurückzufüh­ren war, dass sie sich dessen noch gar nicht bewusst waren. Die DJK Augs­burg- Hochzoll — einzig verbliebener Konkurrent — hatte sich später am Abend eine Niederlage geleistet, ob­wohl es am letzten Spieltag zum direk­ten Vergleich kommt, ist dem VfL die Meisterschaft in den verbleibenden drei Spielen nicht mehr zu nehmen.
Ob auf die Meisterschaft aber auch der Aufstieg folgt, das ist immer noch unsicher. Den Antrag auf Vorlizenzie­rung haben sie gestellt, aber das hat fast jede Mannschaft getan, die sich in der dritten Liga Ost verdächtig ge­macht hat, ein Aufstiegskandidat zu sein. Dieser Schritt heißt also zu­nächst einmal nicht viel, entscheiden­der
ist, ob sie bis zum Stichtag am 1. Mai alle Auflagen erfüllen, vor allem aber, ob sie das nötige Personal bei­sammen haben für eine Rückkehr in die zweite Liga.
Zehn- bis fünfzehntausend Euro müssten sie zusätzlich aufbringen, „vielleicht hat die Deutsche Bahn ja jetzt etwas Geld übrig, nachdem sie als Hauptsponsor bei der Hertha aus­gestiegen ist“, überlegte Teammana­ger Markus Reichler, auch mit ande­ren Geldgebern wird er die Gespräche nun intensivieren. Von der Meister­schaft erfuhr auch er erst auf dem Heimweg, Teile der Mannschaft saßen da gerade beim Abendessen zusam­men, eine gemeinsame Feier steht aber noch aus.
Das nötige Kleingeld aufzutreiben wird für Reichler eine anspruchsvolle Aufgabe, auf die weitaus größere hat
er allerdings kaum Einfluss. Ob sie sich den Aufstieg leisten können, hängt vor allem davon ab, ob sie ein konkurrenzfähiges Team an den Start bringen.
 
Lehrerinnen machen Sorgen

Dass gleich mehrere Spielerinnen vor Jahren auf die Idee gekommen waren, später mal als Lehrerin arbei­ten zu wollen, entpuppt sich jetzt gegen Studienende nicht gerade als Vorteil. „Viele wissen nicht, wo sie in ein paar Monaten arbeiten werden“, sagt Katja Holstein, die sich natürlich auch gerne wieder mit stärkeren Geg­nerinnen messen würde, das aber wie die meisten davon abhängig macht, ob sie als Team zusammenbleiben. Sport­lich würden sie sich also gerne verset­zen lassen, beruflich dagegen am bes­ten nicht. „Wir wollen nicht aufstei­gen“,
betont Holstein, „und uns dann wieder abschießen lassen.“ So wie beim letzten Mal.
Auch gegen Planegg-Krailling zeig­te sich nach einem sehr starken Be­ginn, dass noch Luft nach oben ist. Die Gäste stellten sich besser auf das Spiel des VfL ein, auf der anderen Sei­te ließ die Konzentration bei Nürn­bergs Volleyballerinnen etwas nach, am Ende des dritten Satzes machten sie den Abend sogar noch ein bisschen spannend. „Langweilig wird es uns nicht“, sagt Holstein über den zwölf­ten Saisonsieg, auch weil Trainerin Lena Chan ihnen immer wieder neue Kombinationen beibringt.
In den vergangenen Monaten haben sich die Volleyballerinnen des VfL gut entwickelt, ob es auch höheren An­sprüchen genügen würde, wird man nur im Falle des Aufstiegs erfahren.