Ein Artikel aus der Nürnberger Zeitung vom 11.01.2016

Die Volleyballerinnen vom VfL Nürnberg eilen von Erfolg zu Erfolg

Von Florian Jennemann

Jedes Spiel ein Sieg – das wovon jede Mannschaft träumt setzen die Volleyballerinnen vom VfL Nürnberg in der dritten Liga zurzeit in die Tat um. In der Altenfurter Ballspielhalle gewannen die Nürnbergerinnen auch am Samstag gegen den Dresdner SSV. Das 3:2 (25:16, 21:25, 25:16, 24:26, 15:12) war der zehnte Erfolg in der zehnten Partie.


Dresden NZ 110116 315NÜRNBERG — Niederlagen kennen sie nur vom Hörensagen. Daran hat sich auch nach dem zehnten Spiel nichts geändert. Nach fünf teilweise sehr spannenden Sätzen weisen die Volleyballerinnen vom VfL Nürnberg auch den Dresdner SSV in die Schran­ken und wahren ihre weiße Weste. Gegen einen Geg­ner, der mit vier Siegen in Folge im Rücken angereist war und auch nicht lange in der Sport­tasche nach dem Selbstbewusstsein suchen musste, setzte sich aber etwas durch, dass der Konkurrenz abgeht: die Leichtigkeit des Seriensiegers. Auch dann, wenn mal nicht alles klappt, auch dann, wenn Dresden führt, auch dann, wenn die Mitspielerin einen Fehler macht. Vor geschätzten 60 Zuschauern in der Ballsporthalle Altenfurt gerät Nürn­berg in Bedrängnis. Aber Nürnberg lässt sich davon nicht beirren, kontert ebenso federnd wie knochentrocken. Je nach Bedarf.

 

Sie lächeln sich gegenseitig an, sie spenden warme Worte zum Trost, wenn ein Ball im Aus landet, sie feu­ern sich an, sie klatschen sich ab. Was sie nicht machen, sind gegenseitige Vorwürfe. Bei den kurzen Besprechun­gen zwischen den Ballwechseln wir­ken die Nürnbergerinnen wie gute Freundinnen, die sich nichts übelneh­men können. „Nein, überrascht ist das falsche Wort“, sagt Lena Chan da­rüber, dass ihr Team von Sieg zu Sieg eilt, „ich habe es vielleicht nicht erwartet“. Acht Spielerinnen standen ihr im Sommer zur Verfügung. Mittler­weile hat sich das geändert. Geblie­ben ist allerdings die Intention, mit der Chan und ihr Team in die Saison gestartet sind: „Wir wollten einfach gut Volleyball spielen“. Das gelingt.
Baggern, pritschen, blocken, auf­schlagen, mal mit Gefühl den Ball tät­scheln, mal mit roher Gewalt drauf­dreschen, der VfL nutzt die gesamte
Bandbreite dieses Sports. „Die Mädels lieben einfach Volleyball“, so Chan über ihr Team, das ganz offen­sichtlich aus Spaß spielt. Das spüren die Zuschauer auf der Tribüne. Viel­leicht kann sich der VfL in dieser Sai­son, in der er nur zweimal über fünf Sätze gehen musste, nur selber schlagen. Hochmut könnte die Rolle der Stolperfalle übernehmen. Von die­ser Gefahr wissen sie. „Natürlich geht man lockerer ins Spiel, wenn man neunmal gewonnen hat“, beschreibt Kapitänin Katja Holstein die Gemüts­lage. „Aber das kann schnell kippen“, ergänzt sie und warnt vorm nächsten Gegner. Es wird der TV Altdorf sein, der räumlich und als Zweiter tabella­risch näheste Nachbar.
Auf eventuelle Schwächen ihres Teams angesprochen, gibt es auch von Chan Warnungen. „Übertriebenes Selbstvertrauen und Druck können ein Problem werden“, schätzt die US-Amerikanerin angesichts solcher Siegesserien, wie ihr Team gerade eine hinlegt. Flatterig oder überheb­lich erscheint ihre Mannschaft jedoch nicht. Ihre Stärke liegt in der Mischung, vermutet Katja Holstein: „Einige Spielerinnen kommen von hier, andere aus Aachen oder Tsche­chien. Dazu sind quasi alle Altersklas­sen und Charaktere vertreten. Der Mix macht’s“.
Geht es so weiter, wäre der Aufstieg die logische Folge. Das gilt aber nur fast. Noch ist nicht klar, ob der VfL im Falle des Titelgewinns auch in die zweite Liga aufsteigen möchte. Kürz­lich wurden die Spielerinnen vom Ver­ein nach ihrer Meinung befragt. Wer was gesagt hat, blieb unter Ver­schluss. „Wir wissen nicht untereinan­der, wie wir denken“, hat auch die Kapitänin keine Kenntnisse über den Standpunkt ihrer Mitspielerinnen. Selbst hat sie natürlich auch einen, den sie nicht verrät.
Unterlagen für die Vorlizenzierung wird der VfL zum Stichtag 1. Februar einreichen, das erklärt Team-Mana­ger Markus Reichler. So wie die Mann­schaft von Spiel zu Spiel denkt, den­ken die Verantwortlichen derzeit von Woche zu Woche. Es gilt bestehende Sponsoren zu halten und mögliche neue zu akquirieren, um eine Klasse höher konkurrenzfähig zu sein. Weil Fahrtkosten und Spieleretat in der zweiten Liga höher wären, muss gerechnet werden. Im Mai wäre dann eine endgültige Entscheidung nötig. Falls die Spielerinnen vom VfL bis dahin die sportlichen Voraussetzun­gen schaffen und Niederlagen weiter weitgehend vom Hörensagen kennen.